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Die große Tour nach Ecuador 2008
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schneebedeckte Vulkane, Gletscher, Sumpf, Palmen, Orchideen, Bananen  - eine Radltour durch alle Vegetationszonen

 

Eine abenteuerliche Radltour, die von Alois Stiegler und Johann Maier aus Darshofen  geplant wurde, führte dieses Jahr durch die ecuadorischen Anden. Weitere Teilnehmer waren  Hans-J. Maier, Heinrich Eichenseher und Erich Vogl aus Lupburg, sowie Sepp Mayer aus Landshut, Robert Seitz aus Velburg  und Hermann Bürge aus Graz. 

Per Flugzeug ging es in die Hauptstadt Quito, deren Airport sich mitten in der Innenstadt auf 2800 Metern Höhe befindet. Nur besonders ausgebildete Piloten dürfen Quito anfliegen und  inmitten dem Häusermeer landen

Die Altstadt ist  Unesco –Weltkulturerbe und der zweitägige Zwangsaufenthalt wegen fehlenden Gepäckstücken wurde zur Stadtbesichtigung und zum Besuch des 40 km entfernten Äquatordenkmals genützt. Ein eigenartiges Gefühl, mit dem rechten Fuß auf der nördlichen und mit dem linken auf der südlichen Halbkugel zu stehen.

 

Die ersten Radkilometer auf der Panamericana inmitten des Großstadtverkehrs (Nord-Südausdehnung von Quito ca. 60 km) erwiesen sich als ein Horrortrip. Die ungewöhnte Höhe, dazu Abgase, bei denen hierzulande sofort Smog-Alarm ausgelöst werden würde, ließ anfangs jede kleine zur Höchstleistung erscheinen. Ecuadors Bus- und Lkw-Fahrer haben zudem eine eigene Auffassung von Verkehrssicherheit. Die mit Heiligenbildchen vollgeklebten Windschutzscheiben und hin- und herpendelnden Jesus-Figuren schränken die Sicht nach vorne auf ein Minimum ein,  was die  Mitfahrern vielleicht auch vor manchen Herzinfarkt verschont.

So sind wir froh, auf einer Höhe von 3500 Metern bei Ambato die Panamericana, die hier von Alexander Humboldt den Namen „Straße der Vulkane“ erhielt, verlassen zu können. Ecuador hat über 30 Vulkane. Die meisten sind über 4000 Meter hoch und viele sind noch aktiv. In der Sierra, dem Hochtal zwischen den beiden parallel verlaufenden Anden-Ketten, gibt es keine Stelle,  an der man nicht mindestens einen der einzigartigen schneebedeckten Kraterberge am Horizont glitzern sieht. Hier kamen der Gruppe drei Radler, ebenfalls mit Tourengepäck unterwegs, entgegen. Es erfolgte sogleich ein Erfahrungsaustausch, erst in Spanisch, dann in englisch und zum Schluß in tiefstem oberpfälzischem Dialekt. Die zwei Männer und die Frau waren aus Tirschenreuth. Es blieben die einzigen Radler, die auf der 2einhalbwöchigen Tour auftauchten. Bereits am vierten Radl-Tag war das Zwischenziel Banos mit seinen heissen Thermalquellen erreicht. Von hier aus gings flussabwärts durchs enge  „Pastazatal“, eine der schönsten Straßen Ecuadors. Am Ende des Tales bei Puyo  hatte die fantastische Landschaft dazugeführt, dass  die Tour kurzerhand in eine Schotterstraße, die direkt in den Dschungel in Richtung peruanische Grenze führte.  Erst nach zwei Tagen tauchte wieder eine größere Ortschaft auf , von der wieder eine kleine Straße in Richtung Osten abzweigte. Sie wurde aber bald so steil und steinig, dass sie mit dem Rad nicht mehr zu befahren war.  Obwohl wir uns geschworen hatten, nie in einen ecuadorischen Bus, mit denen man so ziemlich jedes Dorf im Land erreichen kann, einzusteigen, blieb uns keine andere Wahl. Zwei Stunden dauerte die Fahrt über eine Strecke von ca. 20 Kilometern,  bei der etliche  Flußläufe durchquert und  ca. 1500 Höhenmeter überwunden wurden.  Vor einem Tunnel mussten alle aussteigen und der Bus fuhr wieder zurück. Im stockdunklen Tunnel gab es auch den ersten Sturz, da ein dickes Drahtseil quer über die Fahrbahn gespannt war. Als wieder Licht am Ende des Tunnels erschien, war das Geheimnis auch gelüftet. Am anderen Ende war eine Brücke eingestürzt und es gab nur was behelfsmäßiges für Fußgänger (und Radfahrer). Die nächsten Tage in den Bergen wurden nicht recht viel besser und alle waren froh, die vielen eingestürzten Brücken hinter sich zu haben und in Riobamba endlich wieder eine warme Dusche genießen zu können. Bereits am nächsten Tag war wieder alles vergessen und es erfolgte der Aufbruch zum 6310 Meter hohen  „Cimborasso“, den höchsten Vulkan Ecuadors . Irgendwie musste das mit dem Rad was Besonderes sein, denn vor der Abfahrt am nächsten Morgen hatten wir  einen einstündigen Presse-.und Fototermin bei der „Diario-Riobamba.“

Im Nachhinein hatte sich dies auch bewahrheitet. Insgesamt gings 75 km bergauf und in  einer Höhe von 3500 Metern setzte starker Regen ein, dem selbst „Gore-Tex“ nicht gewachsen war. Die Straße war außerdem nicht in der Landkarte verzeichnet und kein Mensch wusste, wie weit es  noch rauf und drüben runterging. In einer Höhe von 4000 Metern konnten wir um 3 Uhr nachmittags links der Straße ein kleines Indio-Dorf ausmachen, wo wir in einem Kindererholungsheim bis zum nächsten Morgen unterkamen. Beim Erwachen bot sich ein Bild für Götter. Der „Cimbo“ leuchtete direkt vor unserer Hütte  im strahlenden Sonnenlicht. Welch ein Glück, ein Fernsehteam hatte vor uns drei Wochen vergeblich ausgeharrt, um dieses bild vor die Kamera zu bekommen. 

Vor dieser Kulisse schraubte sich die Straße hoch bis auf  4500 Meter und gehörte  nur noch  den Radlern und den freilaufenden Lamas, die aufgeschreckt die Flucht ergriffen.

Die Abfahrt Tiefland nach Babahoyo  (von 4500 auf Meereshöhe) führte zu einem Temperaturanstieg von ca. 50 Grad und durch alle erdenklichen Klimazonen. Die Indios auf den Feldern nahmen dankbar unsere Winterbekleidung an, die wir ab sofort nicht mehr sehen konnten und auch nicht mehr brauchten.

Der letzte Tag in Guayaquil, von wo aus der Rückflug erfolgte,  war geprägt von Schwüle, Hitze und einem Verkehrsaufkommen, das schon bald wieder die Einsamkeit und Kühle der Andenwelt in Erinnerung rief.

Einen Bildervortrag gibt’s Anfang nächsten Jahres.  Ort und Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Mehr Bilder sind in unserer Bildergalerie